Der Import aus China nach Deutschland ist für viele Unternehmer der Weg zu wettbewerbsfähigen Produkten. Doch zwischen Fabrikpreis und Verkaufspreis liegen zahlreiche Kostenpunkte, die viele Einsteiger unterschätzen: Zollgebühren, Einfuhrumsatzsteuer, Frachtkosten, Handling-Fees und diverse Vorschriften. Wer hier nicht sauber kalkuliert, erlebt böse Überraschungen.
In diesem Guide rechnen wir alle Kosten transparent vor, erklären die Zollverfahren Schritt für Schritt und geben dir eine Checkliste, mit der du deinen China Import professionell abwickeln kannst.
Die Gesamtkosten beim China-Import: Übersicht
Beim Import aus China entstehen folgende Kosten — viele davon werden in der Erstplanung vergessen:
| Kostenpunkt | Typischer Anteil | Erklärung |
|---|---|---|
| Warenwert (FOB) | Basis | Preis ab Fabrik/Hafen in China |
| Fracht (See/Luft) | 5-15% des Warenwerts | Transport von China nach Deutschland |
| Versicherung | 0,3-0,5% | Transportversicherung (empfohlen) |
| Zollgebühren | 0-15% | Je nach Warengruppe (TARIC) |
| Einfuhrumsatzsteuer | 19% | Auf Warenwert + Fracht + Zoll |
| Handling/Terminal | €100-300 | Hafengebühren, Abfertigung |
| Zollagent/Broker | €50-200 | Zollanmeldung (optional, empfohlen) |
| Inlandstransport | €100-500 | Vom Hafen zu deinem Lager |
| Qualitätskontrolle | €200-600 | Pre-Shipment-Inspektion (empfohlen) |
Faustformel
Als Daumenregel: Rechne mit ca. 30-45% Aufschlag auf den Fabrikpreis (FOB) für alle Import-Nebenkosten. Bei einem FOB-Preis von €10.000 solltest du also €13.000-14.500 Gesamtkosten einplanen.
Schritt 1: Warenwert und Incoterms verstehen
Der Ausgangspunkt jeder Kalkulation ist der Warenwert. Dabei ist entscheidend, welchen Incoterm du mit dem Lieferanten vereinbarst. Die wichtigsten:
| Incoterm | Bedeutung | Was ist im Preis enthalten? |
|---|---|---|
| EXW (Ex Works) | Ab Werk | Nur der Produktpreis. Transport, Versicherung, Zoll — alles deine Sache. |
| FOB (Free on Board) | Frei an Bord | Produkt + Transport zum Hafen in China + Verladung aufs Schiff |
| CIF (Cost, Insurance, Freight) | Kosten, Versicherung, Fracht | Produkt + Transport + Versicherung bis Zielhafen |
| DDP (Delivered Duty Paid) | Geliefert verzollt | Alles inklusive bis zu deinem Lager. Selten bei China-Import. |
Unsere Empfehlung: FOB ist der Standard im China Import. Du bezahlst den Preis bis zur Verladung am chinesischen Hafen und organisierst den Seetransport selbst (über einen Spediteur). So behältst du die Kontrolle über die Frachtkosten.
Schritt 2: Zollgebühren berechnen
Die Zollgebühren (auch: Einfuhrzoll) werden auf Basis des Zollwerts berechnet. Der Zollwert ist in der Regel: Warenwert (FOB) + Frachtkosten + Versicherung (= CIF-Wert).
Zollsatz ermitteln: Die TARIC-Datenbank
Jedes Produkt hat einen Zolltarifnummer (HS-Code / KN-Code). Anhand dieser Nummer findest du den Zollsatz in der TARIC-Datenbank der EU. Einige Beispiele:
| Produktkategorie | Beispiel HS-Code | Zollsatz |
|---|---|---|
| Elektronik (Smartphones) | 8517.13 | 0% |
| Textilien (T-Shirts) | 6109.10 | 12% |
| Spielzeug | 9503.00 | 0-4,7% |
| Möbel (Holz) | 9403.60 | 0-5,6% |
| Fahrräder | 8712.00 | 14% |
| LED-Beleuchtung | 9405.42 | 3,7-4,7% |
| Küchengeräte (Edelstahl) | 7323.93 | 3,2% |
| Handyhüllen (Kunststoff) | 3926.90 | 6,5% |
Anti-Dumping-Zölle
Für bestimmte chinesische Produkte gelten zusätzliche Anti-Dumping-Zölle. Diese können bis zu 80% betragen und werden auf den normalen Zollsatz aufgeschlagen. Betroffen sind u.a. Solarmodule, Keramikfliesen, Aluminiumfolien und bestimmte Stahlprodukte. Prüfe dies unbedingt vorab!
Schritt 3: Einfuhrumsatzsteuer (EUSt)
Die Einfuhrumsatzsteuer (EUSt) beträgt in Deutschland 19% (bzw. 7% für bestimmte Waren wie Lebensmittel und Bücher). Sie wird berechnet auf:
EUSt-Bemessungsgrundlage = Zollwert + Zollgebühren + eventuell Verbrauchsteuern
Rechenbeispiel: 5.000 Trinkflaschen aus China
| Position | Betrag | Erklärung |
|---|---|---|
| Warenwert (FOB) | €9.500 | 5.000 × €1,90 ab Fabrik |
| Seefracht | €800 | 20ft Container (Teilladung) |
| Versicherung | €50 | 0,5% des Warenwerts |
| Zollwert (CIF) | €10.350 | FOB + Fracht + Versicherung |
| Zollgebühren (3,2%) | €331 | HS-Code 7323.93 (Edelstahl-Küchenware) |
| EUSt-Bemessungsgrundlage | €10.681 | Zollwert + Zollgebühren |
| Einfuhrumsatzsteuer (19%) | €2.029 | 19% auf Bemessungsgrundlage |
| Handling + Zollagent | €350 | Abfertigung am Hafen |
| Inlandstransport | €200 | Hafen → Lager |
| Gesamtkosten Import | €13.260 | |
| Stückpreis (landed) | €2,65 | vs. €1,90 FOB = +39% Aufschlag |
Wichtig: EUSt ist abzugsfähig
Die Einfuhrumsatzsteuer kannst du als Vorsteuer geltend machen — genau wie die reguläre Umsatzsteuer. Das heißt: Die €2.029 aus dem Beispiel bekommst du bei der nächsten Umsatzsteuer-Voranmeldung zurück. Es ist also kein echter Kostenpunkt, sondern eine Vorauszahlung.
Schritt 4: Die Zollanmeldung
Jede Warensendung aus China muss beim deutschen Zoll angemeldet werden. Das geschieht über das elektronische System ATLAS (Automatisiertes Tarif- und Lokales Zoll-Abwicklungssystem). In der Praxis läuft das so:
- Ware kommt im Hafen an (z.B. Hamburg, Bremerhaven, Rotterdam)
- Dein Spediteur oder Zollagent gibt die Zollanmeldung in ATLAS ein
- Du stellst die Dokumente bereit: Handelsrechnung, Packliste, Frachtbrief (Bill of Lading), ggf. Ursprungszeugnis
- Der Zoll prüft die Anmeldung und gibt die Ware frei (oder prüft physisch)
- Du zahlst Zollgebühren + EUSt (oder dein Zollagent legt aus)
- Die Ware wird zum Inlandstransport freigegeben
Benötigte Dokumente für den China-Import
| Dokument | Wer erstellt es? | Wofür? |
|---|---|---|
| Handelsrechnung (Commercial Invoice) | Lieferant in China | Warenwert, Beschreibung, Incoterms |
| Packliste (Packing List) | Lieferant in China | Anzahl Kartons, Gewicht, Maße |
| Frachtbrief (Bill of Lading / Airway Bill) | Spediteur | Nachweis der Verschiffung |
| Ursprungszeugnis (Certificate of Origin) | Lieferant / Handelskammer | Zollpräferenz, Herkunftsnachweis |
| CE-Konformitätserklärung | Du (als Importeur) | Pflicht für CE-pflichtige Produkte |
| EORI-Nummer | Du (einmalige Registrierung) | Deine EU-weite Zollnummer |
EORI-Nummer: Pflicht für jeden Importeur
Bevor du zum ersten Mal aus China importierst, brauchst du eine EORI-Nummer (Economic Operators Registration and Identification). Diese beantragst du einmalig und kostenlos beim Zoll. Ohne EORI-Nummer ist keine Zollanmeldung möglich.
Beantragung: Online beim Informations- und Wissensmanagement Zoll (IWM) oder über deinen Steuerberater. Bearbeitungszeit: ca. 1-2 Wochen.
Häufige Fehler beim China-Zoll
1. Warenwert auf der Rechnung zu niedrig angeben
Manche Lieferanten bieten an, den Warenwert auf der Rechnung niedriger anzusetzen, um Zollgebühren zu sparen. Das ist Zollbetrug und strafbar. Der Zoll kennt die üblichen Marktpreise und wird bei auffällig niedrigen Werten eine Prüfung einleiten. Strafe: Nachzahlung + Bußgeld + Strafverfahren.
2. Falsche Zolltarifnummer (HS-Code)
Der HS-Code bestimmt den Zollsatz. Ein falscher Code kann zu viel oder zu wenig Zoll bedeuten. Beides ist problematisch: Zu wenig = Nachzahlung + Strafe. Zu viel = unnötige Kosten. Lass den HS-Code von deinem Zollagenten oder über die verbindliche Zolltarifauskunft (vZTA) bestätigen.
3. CE-Kennzeichnung und Produktsicherheit ignorieren
Der Zoll prüft stichprobenartig, ob importierte Produkte den EU-Vorschriften entsprechen. Ohne korrekte CE-Kennzeichnung, REACH-Konformität oder fehlende Dokumente kann die Ware beschlagnahmt werden. Mehr dazu in unserem CE-Zeichen Guide.
4. Keine EORI-Nummer beantragt
Ohne EORI-Nummer kann der Zoll deine Sendung nicht abfertigen. Beantrage die Nummer bevor du die erste Bestellung aufgibst — nicht wenn die Ware schon im Hafen liegt.
Lieferant prüfen, bevor du importierst
Bevor du Zollgebühren und Frachtkosten investierst, solltest du sicherstellen, dass dein Lieferant eine echte Fabrik ist. Unser kostenloser Supplier Check klärt das in 48 Stunden.
Kostenloser Supplier CheckSonderregelungen und Verbote
Produkte, die nicht (einfach) importiert werden können
- Lebensmittel & Kosmetik: Strenge EU-Vorschriften, Registrierung bei EFSA/BfR nötig
- Medizinprodukte: CE-Klasse-Zertifizierung + MDR-Konformität erforderlich
- Chemikalien: REACH-Registrierung bei ECHA Pflicht (kann tausende Euro kosten)
- Drohnen: Müssen EU-Vorschriften für Funkanlagen erfüllen (RED)
- Markenprodukte/Fälschungen: Beschlagnahmung + Strafverfahren
- Lithium-Batterien: Gefahrgut-Vorschriften (IATA/IMDG), UN38.3 Test erforderlich
Checkliste: China-Import nach Deutschland
- EORI-Nummer beantragen (einmalig, kostenlos)
- HS-Code für dein Produkt ermitteln (TARIC-Datenbank)
- Zollsatz prüfen (inkl. Anti-Dumping-Zölle)
- CE/REACH/RoHS-Anforderungen klären
- Incoterm mit Lieferant vereinbaren (FOB empfohlen)
- Spediteur beauftragen (Seefracht oder Luftfracht)
- Transportversicherung abschließen
- Zollagent beauftragen (empfohlen für Erstimporteure)
- Pre-Shipment-Inspektion buchen (vor Versand in China)
- Alle Dokumente bereithalten (Rechnung, Packliste, B/L, CoO)
- Gesamtkosten kalkulieren (FOB + Fracht + Zoll + EUSt + Handling)
- Umsatzsteuer-Voranmeldung vorbereiten (EUSt als Vorsteuer absetzen)
Fazit: Sauber kalkulieren, böse Überraschungen vermeiden
Der Import aus China ist kein Hexenwerk — aber er erfordert eine saubere Kalkulation und Kenntnis der Vorschriften. Die größten Fehler entstehen durch Unterschätzung der Nebenkosten (plane 30-45% auf den FOB-Preis) und Ignorieren der Compliance-Anforderungen (CE, REACH, RoHS).
Unser Tipp: Investiere Zeit in die Vorbereitung, bevor die erste Bestellung rausgeht. EORI-Nummer beantragen, HS-Code klären, Gesamtkosten durchrechnen, Lieferant prüfen lassen. So wird dein erster China-Import ein Erfolg statt einer teuren Lektion.
Key Takeaways
- Rechne mit 30-45% Aufschlag auf den FOB-Preis für alle Import-Nebenkosten
- Einfuhrumsatzsteuer (19%) ist als Vorsteuer abzugsfähig — kein echter Kostenpunkt
- Eine EORI-Nummer ist Pflicht und sollte vor der ersten Bestellung beantragt werden
- Der HS-Code bestimmt den Zollsatz — falsche Codes führen zu Strafen
- CE, REACH, RoHS müssen vor dem Import geprüft werden, nicht danach
- Nutze einen Zollagenten beim ersten Import — die €100-200 sind gut investiert
Qualitätskontrolle vor dem Import
Bevor deine Ware den Hafen in China verlässt, prüfen wir Qualität, Kennzeichnung und Verpackung nach AQL-Standard — direkt in der Fabrik.
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