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Import aus China: Zoll, Steuern & Kosten – der komplette Guide 2026

Alle Kosten, Zollgebühren, Steuern und Vorschriften beim China-Import nach Deutschland auf einen Blick — mit Rechenbeispielen und Checkliste.

Veröffentlicht am 24. Juni 2026

Der Import aus China nach Deutschland ist für viele Unternehmer der Weg zu wettbewerbsfähigen Produkten. Doch zwischen Fabrikpreis und Verkaufspreis liegen zahlreiche Kostenpunkte, die viele Einsteiger unterschätzen: Zollgebühren, Einfuhrumsatzsteuer, Frachtkosten, Handling-Fees und diverse Vorschriften. Wer hier nicht sauber kalkuliert, erlebt böse Überraschungen.

In diesem Guide rechnen wir alle Kosten transparent vor, erklären die Zollverfahren Schritt für Schritt und geben dir eine Checkliste, mit der du deinen China Import professionell abwickeln kannst.

Die Gesamtkosten beim China-Import: Übersicht

Beim Import aus China entstehen folgende Kosten — viele davon werden in der Erstplanung vergessen:

KostenpunktTypischer AnteilErklärung
Warenwert (FOB)BasisPreis ab Fabrik/Hafen in China
Fracht (See/Luft)5-15% des WarenwertsTransport von China nach Deutschland
Versicherung0,3-0,5%Transportversicherung (empfohlen)
Zollgebühren0-15%Je nach Warengruppe (TARIC)
Einfuhrumsatzsteuer19%Auf Warenwert + Fracht + Zoll
Handling/Terminal€100-300Hafengebühren, Abfertigung
Zollagent/Broker€50-200Zollanmeldung (optional, empfohlen)
Inlandstransport€100-500Vom Hafen zu deinem Lager
Qualitätskontrolle€200-600Pre-Shipment-Inspektion (empfohlen)

Faustformel

Als Daumenregel: Rechne mit ca. 30-45% Aufschlag auf den Fabrikpreis (FOB) für alle Import-Nebenkosten. Bei einem FOB-Preis von €10.000 solltest du also €13.000-14.500 Gesamtkosten einplanen.

Schritt 1: Warenwert und Incoterms verstehen

Der Ausgangspunkt jeder Kalkulation ist der Warenwert. Dabei ist entscheidend, welchen Incoterm du mit dem Lieferanten vereinbarst. Die wichtigsten:

IncotermBedeutungWas ist im Preis enthalten?
EXW (Ex Works)Ab WerkNur der Produktpreis. Transport, Versicherung, Zoll — alles deine Sache.
FOB (Free on Board)Frei an BordProdukt + Transport zum Hafen in China + Verladung aufs Schiff
CIF (Cost, Insurance, Freight)Kosten, Versicherung, FrachtProdukt + Transport + Versicherung bis Zielhafen
DDP (Delivered Duty Paid)Geliefert verzolltAlles inklusive bis zu deinem Lager. Selten bei China-Import.

Unsere Empfehlung: FOB ist der Standard im China Import. Du bezahlst den Preis bis zur Verladung am chinesischen Hafen und organisierst den Seetransport selbst (über einen Spediteur). So behältst du die Kontrolle über die Frachtkosten.

Schritt 2: Zollgebühren berechnen

Die Zollgebühren (auch: Einfuhrzoll) werden auf Basis des Zollwerts berechnet. Der Zollwert ist in der Regel: Warenwert (FOB) + Frachtkosten + Versicherung (= CIF-Wert).

Zollsatz ermitteln: Die TARIC-Datenbank

Jedes Produkt hat einen Zolltarifnummer (HS-Code / KN-Code). Anhand dieser Nummer findest du den Zollsatz in der TARIC-Datenbank der EU. Einige Beispiele:

ProduktkategorieBeispiel HS-CodeZollsatz
Elektronik (Smartphones)8517.130%
Textilien (T-Shirts)6109.1012%
Spielzeug9503.000-4,7%
Möbel (Holz)9403.600-5,6%
Fahrräder8712.0014%
LED-Beleuchtung9405.423,7-4,7%
Küchengeräte (Edelstahl)7323.933,2%
Handyhüllen (Kunststoff)3926.906,5%

Anti-Dumping-Zölle

Für bestimmte chinesische Produkte gelten zusätzliche Anti-Dumping-Zölle. Diese können bis zu 80% betragen und werden auf den normalen Zollsatz aufgeschlagen. Betroffen sind u.a. Solarmodule, Keramikfliesen, Aluminiumfolien und bestimmte Stahlprodukte. Prüfe dies unbedingt vorab!

Schritt 3: Einfuhrumsatzsteuer (EUSt)

Die Einfuhrumsatzsteuer (EUSt) beträgt in Deutschland 19% (bzw. 7% für bestimmte Waren wie Lebensmittel und Bücher). Sie wird berechnet auf:

EUSt-Bemessungsgrundlage = Zollwert + Zollgebühren + eventuell Verbrauchsteuern

Rechenbeispiel: 5.000 Trinkflaschen aus China

PositionBetragErklärung
Warenwert (FOB)€9.5005.000 × €1,90 ab Fabrik
Seefracht€80020ft Container (Teilladung)
Versicherung€500,5% des Warenwerts
Zollwert (CIF)€10.350FOB + Fracht + Versicherung
Zollgebühren (3,2%)€331HS-Code 7323.93 (Edelstahl-Küchenware)
EUSt-Bemessungsgrundlage€10.681Zollwert + Zollgebühren
Einfuhrumsatzsteuer (19%)€2.02919% auf Bemessungsgrundlage
Handling + Zollagent€350Abfertigung am Hafen
Inlandstransport€200Hafen → Lager
Gesamtkosten Import€13.260
Stückpreis (landed)€2,65vs. €1,90 FOB = +39% Aufschlag

Wichtig: EUSt ist abzugsfähig

Die Einfuhrumsatzsteuer kannst du als Vorsteuer geltend machen — genau wie die reguläre Umsatzsteuer. Das heißt: Die €2.029 aus dem Beispiel bekommst du bei der nächsten Umsatzsteuer-Voranmeldung zurück. Es ist also kein echter Kostenpunkt, sondern eine Vorauszahlung.

Schritt 4: Die Zollanmeldung

Jede Warensendung aus China muss beim deutschen Zoll angemeldet werden. Das geschieht über das elektronische System ATLAS (Automatisiertes Tarif- und Lokales Zoll-Abwicklungssystem). In der Praxis läuft das so:

  1. Ware kommt im Hafen an (z.B. Hamburg, Bremerhaven, Rotterdam)
  2. Dein Spediteur oder Zollagent gibt die Zollanmeldung in ATLAS ein
  3. Du stellst die Dokumente bereit: Handelsrechnung, Packliste, Frachtbrief (Bill of Lading), ggf. Ursprungszeugnis
  4. Der Zoll prüft die Anmeldung und gibt die Ware frei (oder prüft physisch)
  5. Du zahlst Zollgebühren + EUSt (oder dein Zollagent legt aus)
  6. Die Ware wird zum Inlandstransport freigegeben

Benötigte Dokumente für den China-Import

DokumentWer erstellt es?Wofür?
Handelsrechnung (Commercial Invoice)Lieferant in ChinaWarenwert, Beschreibung, Incoterms
Packliste (Packing List)Lieferant in ChinaAnzahl Kartons, Gewicht, Maße
Frachtbrief (Bill of Lading / Airway Bill)SpediteurNachweis der Verschiffung
Ursprungszeugnis (Certificate of Origin)Lieferant / HandelskammerZollpräferenz, Herkunftsnachweis
CE-KonformitätserklärungDu (als Importeur)Pflicht für CE-pflichtige Produkte
EORI-NummerDu (einmalige Registrierung)Deine EU-weite Zollnummer

EORI-Nummer: Pflicht für jeden Importeur

Bevor du zum ersten Mal aus China importierst, brauchst du eine EORI-Nummer (Economic Operators Registration and Identification). Diese beantragst du einmalig und kostenlos beim Zoll. Ohne EORI-Nummer ist keine Zollanmeldung möglich.

Beantragung: Online beim Informations- und Wissensmanagement Zoll (IWM) oder über deinen Steuerberater. Bearbeitungszeit: ca. 1-2 Wochen.

Häufige Fehler beim China-Zoll

1. Warenwert auf der Rechnung zu niedrig angeben

Manche Lieferanten bieten an, den Warenwert auf der Rechnung niedriger anzusetzen, um Zollgebühren zu sparen. Das ist Zollbetrug und strafbar. Der Zoll kennt die üblichen Marktpreise und wird bei auffällig niedrigen Werten eine Prüfung einleiten. Strafe: Nachzahlung + Bußgeld + Strafverfahren.

2. Falsche Zolltarifnummer (HS-Code)

Der HS-Code bestimmt den Zollsatz. Ein falscher Code kann zu viel oder zu wenig Zoll bedeuten. Beides ist problematisch: Zu wenig = Nachzahlung + Strafe. Zu viel = unnötige Kosten. Lass den HS-Code von deinem Zollagenten oder über die verbindliche Zolltarifauskunft (vZTA) bestätigen.

3. CE-Kennzeichnung und Produktsicherheit ignorieren

Der Zoll prüft stichprobenartig, ob importierte Produkte den EU-Vorschriften entsprechen. Ohne korrekte CE-Kennzeichnung, REACH-Konformität oder fehlende Dokumente kann die Ware beschlagnahmt werden. Mehr dazu in unserem CE-Zeichen Guide.

4. Keine EORI-Nummer beantragt

Ohne EORI-Nummer kann der Zoll deine Sendung nicht abfertigen. Beantrage die Nummer bevor du die erste Bestellung aufgibst — nicht wenn die Ware schon im Hafen liegt.

Lieferant prüfen, bevor du importierst

Bevor du Zollgebühren und Frachtkosten investierst, solltest du sicherstellen, dass dein Lieferant eine echte Fabrik ist. Unser kostenloser Supplier Check klärt das in 48 Stunden.

Kostenloser Supplier Check

Sonderregelungen und Verbote

Produkte, die nicht (einfach) importiert werden können

  • Lebensmittel & Kosmetik: Strenge EU-Vorschriften, Registrierung bei EFSA/BfR nötig
  • Medizinprodukte: CE-Klasse-Zertifizierung + MDR-Konformität erforderlich
  • Chemikalien: REACH-Registrierung bei ECHA Pflicht (kann tausende Euro kosten)
  • Drohnen: Müssen EU-Vorschriften für Funkanlagen erfüllen (RED)
  • Markenprodukte/Fälschungen: Beschlagnahmung + Strafverfahren
  • Lithium-Batterien: Gefahrgut-Vorschriften (IATA/IMDG), UN38.3 Test erforderlich

Checkliste: China-Import nach Deutschland

  1. EORI-Nummer beantragen (einmalig, kostenlos)
  2. HS-Code für dein Produkt ermitteln (TARIC-Datenbank)
  3. Zollsatz prüfen (inkl. Anti-Dumping-Zölle)
  4. CE/REACH/RoHS-Anforderungen klären
  5. Incoterm mit Lieferant vereinbaren (FOB empfohlen)
  6. Spediteur beauftragen (Seefracht oder Luftfracht)
  7. Transportversicherung abschließen
  8. Zollagent beauftragen (empfohlen für Erstimporteure)
  9. Pre-Shipment-Inspektion buchen (vor Versand in China)
  10. Alle Dokumente bereithalten (Rechnung, Packliste, B/L, CoO)
  11. Gesamtkosten kalkulieren (FOB + Fracht + Zoll + EUSt + Handling)
  12. Umsatzsteuer-Voranmeldung vorbereiten (EUSt als Vorsteuer absetzen)

Fazit: Sauber kalkulieren, böse Überraschungen vermeiden

Der Import aus China ist kein Hexenwerk — aber er erfordert eine saubere Kalkulation und Kenntnis der Vorschriften. Die größten Fehler entstehen durch Unterschätzung der Nebenkosten (plane 30-45% auf den FOB-Preis) und Ignorieren der Compliance-Anforderungen (CE, REACH, RoHS).

Unser Tipp: Investiere Zeit in die Vorbereitung, bevor die erste Bestellung rausgeht. EORI-Nummer beantragen, HS-Code klären, Gesamtkosten durchrechnen, Lieferant prüfen lassen. So wird dein erster China-Import ein Erfolg statt einer teuren Lektion.

Key Takeaways

  • Rechne mit 30-45% Aufschlag auf den FOB-Preis für alle Import-Nebenkosten
  • Einfuhrumsatzsteuer (19%) ist als Vorsteuer abzugsfähig — kein echter Kostenpunkt
  • Eine EORI-Nummer ist Pflicht und sollte vor der ersten Bestellung beantragt werden
  • Der HS-Code bestimmt den Zollsatz — falsche Codes führen zu Strafen
  • CE, REACH, RoHS müssen vor dem Import geprüft werden, nicht danach
  • Nutze einen Zollagenten beim ersten Import — die €100-200 sind gut investiert

Qualitätskontrolle vor dem Import

Bevor deine Ware den Hafen in China verlässt, prüfen wir Qualität, Kennzeichnung und Verpackung nach AQL-Standard — direkt in der Fabrik.

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